Dr. Lechleiters Fishcare

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"Kreuzverkeimung" und wie man damit umgehen kann

Ende April hatten die Koi begonnen abzulaichen: Es waren zwei neue Koi bei 16-18 °C Wassertemperatur hinzugekommen.

Anfang Mai gab es einen Kälteeinbruch, die Eisheiligen hielten die Teiche auf 12-14°C fest. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Altbestand begann, die Flossen zu klemmen, die Haut war teilweise schleimig belegt, teilweise knallrot - je nach Farbe. Einige Koi hingen mit dem Kopf nach unten im Teich und sahen wirklich schwer krank aus. So sah es auch am 9.5.14 bei meinem Besuch vor Ort aus.

Der Teich ist seit Jahren krankheitsfrei, die Wasserwerte sind wirklich Spitze, es gibt eine Bepflanzung am Rand und eine schöne Flachwasserzone. Meine Abstriche ergaben bei zwei sehr kranken Koi einen mässigen Costiabefall sowie starke bakterielle Kiemenentzündung und Hautentzündung. Für Antibiotika war es zu kalt, den Teich aufzusalzen wäre das Ende der Bepflanzung und der eingelaufenen Biologie gewesen, zumindest für ein paar Tage. Chemische Keulen im Wasser wollten die Besitzer auch nur dann verwenden, wenn es unvermeidbar sein sollte.

Also habe ich den Vorschlag gemacht, den beiden Kranken drei Salzbäder mit 20g/l zu gönnen und ansonsten nichts zu tun, außer etwas mehr Wasser zu wechseln und einige Tage nicht zu füttern. Wenn es schlechter werden sollte, hätte ich zu einem milden Wasserdesinfektionsmittel wie "Bakterien orange" geraten. Da bessere Temperaturen in Aussicht standen, war ich jedoch sicher, dass es ohne das gehen würde.

Und hier die Nachricht, die mich am 19. Mai erreichte:

"Am 9.05.14 waren Sie bei uns in X und haben bei unseren Koi ein Bakterienproblem diagnostiziert, nachdem wir 2 neue Fische in den Teich eingesetzt hatten.

Gerne kann ich heute berichten, dass es den Koi wieder gut geht. Wir haben Ihre Ratschläge befolgt und es hat genau eine Woche gedauert, bis das Verhalten der Fische wieder normal war.
Nochmals vielen Dank."

Geduld ist manchmal der beste Arzt. Über das Vertrauen der Besitzer in meine Ratschläge habe ich mich sehr gefreut!

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Kommentare zum Artikel

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Vielen Dank Frau Dr. Lechleiter!!!

Hallo Hans, hier einige Antworten:
Nein, die neuen Koi blieben ohne Symptome.
Salzbäder waren teils wegen Costia, teils zur Schleimlösung auf Haut und Kiemen. Teichbehandlung gegen Costia war nicht erforderlich.
Nachwehen wie Sie sie beschreiben können auch noch nach einem ganzen jahr auftreten, das ist eine Infektion, die lange anhält aber meinst nicht schlimm ist, wenn der Rest stimmt.
Wie eine Kiemenentzündung aussieht, ist Teil von Fortbildungsveranstaltungen und kann hier kein Thema sein.

Viele Grüße

Sandra

Hallo Frau Dr. Lechleitner,
dazu hätte ich Fragen.
1. Die 2 neuen Fische, bekamen die auch Sympthome und wenn ja, zeitgleich mit dem Altbestand oder später?
2. Die bakterielle Kiemenentzündung, wie sah die aus?
3. Costia wurde nicht extra behandelt, oder waren die Salzbäder wegen Costia?
4. Bei mir kommen jetzt noch (Kreuzverkeimung war im April/Mai 2014)bei 2 größeren Fischen ab und an kleine weiße Pickel am Kopf, die verschwinden gleich wieder. Wobei nun einer davon einen 4-5 mm großen weißen Punkt am Kopf hat, der wie "Zuckerwatte" aussieht, ähnlich wie auf dem Kopf des von Ihnen gezeigten Kohakus. Sind das noch "Nachwehen", oder gibt es eine Zeit nach Auftreten der Kreuzverkeimung, wo keinerlei Sympthome mehr auftreten dürfen?
Danke und viele Grüße
Hans

Die Milchsäurebakterien sind eher gegen den Stress als gegen die Bakterien auf der Haut nützlich. Die pH-Senkung führt jedoch zu leichtem Abschleimen und wirkt ebenfalls leicht antibakteriell. Daher: Erst ein Salzbad it dem Neuen, und Milchsäurebakterien in den Teich bevor neue Koi kommen. Ist nicht 100% sicher, aber schon mal ein guter Weg.

Guten Tag,

bevor wir neue fische einsetzen dämpfen wir die Bakterienkulturen durch zusetzen von Milchsäurebakterienkulturen einige Stunden vor dem Einsetzen der neuen Fische.
Hilft das gegen Kreuzverkeimung oder verschiebt es das Problem nur, weil die Bakterienkulturen später wieder erstarken?

lg
Peter