Dr. Lechleiters Fishcare

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Wohin mit toten Koi? Teil 2

Fische zersetzen sich schnell, was eine Untersuchung behindern kann.

Soll ein Koi nach seinem Tod auf die Todesursache untersucht werden, so muss er nach dem Tod so schnell es geht gekühlt werden. Das heißt, dass Koi, die bei einer Wassertemperatur von 24 °C im Laufe der Nacht sterben, am nächsten Morgen nach dem Auffinden sofort in den Kühlschrank und noch am selben Tag zum Untersucher gebracht werden müssen.

Immer wieder sehe ich Koi, die angeblich am gleichen Tag gestorben sind, jedoch Anzeichen von Fäulnis und Zersetzung aufweisen, die darauf hindeuten, dass sie schon mehrere Tage tot sind. Daher möchte ich bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass nicht alle Koi, die plötzlich an der Wasseroberfläche auftauchen, erst kürzlich gestorben sind. So wie wir es von Wasserleichen aus den Tatort Krimis kennen, ist es auch bei Fischen: Stirbt ein Fisch während er sich unten am Boden befindet, so wird er erst dann hochkommen, wenn die Fäulnisbakterien ihn so aufgegast haben, dass er leichter wird als Wasser. Dann stinkt der Fisch stark, hat eingesunkene Augen, blasse bis weiße Kiemen und blasse Haut. Wie z.B. der Koi im Bild.

Weitergehende Untersuchungen erfordern jedoch die Beurteilung der Kiemen und Organe, daher hat es keinen Sinn, Fische mit zersetzen Kiemen untersuchen zu lassen. Mit einer Ausnahme: Die molekularbiologischen Methoden, allen voran die PCR, mittels derer man das Erbgut von Krankheitserregern nachweisen kann, finden sie auch in vergammeltem Gewebe. Das heißt, dass man an einem stark zersetzen Koi immer noch einen Nachweis von KHV, CEV (Schlafkrankheit der Koi) und Columnarisbakterien führen kann. Dazu benötigt man lediglich ein kleines Gefäß, das sich Eppendorf Cup nennt und mit Isopropanol gefüllt sein muss. Oder einen sterilen Wattetupfer mit Transportröhrchen, jedoch ohne Nährboden. Ein kleines Stückchen Kiemengewebe oder ein Abstrich mit dem Tupfer über die Kiemen reichen aus - und man kann die Probe ins Labor senden, ohne die stinkende Fischleiche noch versenden zu müssen. Das ist auch besser so, denn solche Pakete sind gerade  im Sommer unzumutbar - für den Untersucher ebenso wie für den Postboten.

Übrigens befördern DHL oder Hermes keine Tiere - weder tot noch lebendig. Das sind Spezialaufgaben, für die man sich geeignete Botendienste suchen muss.

Wie man Proben nimmt, findet man in vielen Bildern in unserem Lexikon der Koimedizin oder in guten Fachbüchern, z.B. "Patient Koi".

Und hat man einen Untersucher gefunden, so sollte der gekühlte Koi nicht in Plastiktüten oder Folien zum Untersucher gebracht werden, sondern lediglich in ein feuchtes Handtuch oder Zeitungspapier gewickelt. Je besser Luft zutreten kann und Feuchtigkeit die Schleimhaut erhält, um so bessere Diagnostik ist mit dem Mikroskop und in der Bakteriologie möglich!

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